Die Nachteile von WordPress – Unsere Erfahrungen aus über zehn Jahren individueller WordPress-Entwicklung

Nachteile WordPress
  • Veröffentlicht: 31. Juli 2026
  • Lesezeit: 23 Min.

Ein persönlicher Blick auf WordPress

Es hat fast etwas von Hochverrat, einen Artikel über die Nachteile von WordPress zu schreiben. Zumindest, wenn man wie ich einen großen Teil seines Berufslebens damit verbracht hat, genau dieses System zu entwickeln.

Ich habe WordPress nie als die schnelle Lösung für kleine Budgets gesehen. Mich haben immer die Projekte gereizt, bei denen WordPress an seine Grenzen kam. Individuelle Themes statt gekaufter Vorlagen. Eigene Plugins statt einer Einkaufsliste aus zwanzig Erweiterungen. Schnittstellen, Portale, mehrsprachige Websites und Anforderungen, bei denen man irgendwann nicht mehr nur Webseiten baut, sondern Software entwickelt.

Mit der Zeit durften wir sogar zwei offizielle WordPress-Plugins veröffentlichen: exovia YouTube DSGVO und exovia GDPR Google Maps. Darauf bin ich bis heute ein kleines bisschen stolz. Nicht, weil sie die Welt verändert hätten. Sondern weil man nicht jeden Tag einen kleinen Platz im offiziellen WordPress-Ökosystem bekommt – erst recht nicht, wenn man dort jahrelang zu Hause war.

Ohne WordPress gäbe es unsere Agentur in dieser Form vermutlich gar nicht. Es hat uns nicht nur wirtschaftlich getragen, sondern uns vor allem mit Menschen zusammengebracht, die uns ihre Ideen, ihre Unternehmen und manchmal ein ganzes Stück Vertrauen anvertraut haben. Das ist bis heute der schönste Teil dieses Berufs. Vor allem aber hat es dafür gesorgt, dass ich mich viele Jahre mit einer Technologie beschäftigen durfte, die ich wirklich gerne mochte. Und, wenn ich ehrlich bin, noch immer mag.

Genau deshalb fällt mir dieser Artikel nicht leicht. Nicht, weil ich lange nach Kritik suchen müsste. Sondern weil Kritik an etwas, das einen über viele Jahre begleitet hat, immer ein bisschen persönlicher ist. Es fühlt sich weniger nach einer Abrechnung an als nach einem Gespräch mit einem alten Freund. Man kennt die Stärken. Man kennt aber eben auch die Eigenheiten, über die man früher großzügig hinweggesehen hat und die einem heute immer häufiger auffallen.

Dieser Artikel soll dich deshalb nicht davon überzeugen, deine WordPress-Website morgen abzuschalten. Ganz im Gegenteil. Viele professionelle WordPress-Websites werden auch in den kommenden Jahren hervorragende Arbeit leisten. Und wenn du dich 2024 für WordPress entschieden hast, war das damals vermutlich genau die richtige Entscheidung.

Ich möchte vielmehr erklären, warum ich heute häufiger zu einer anderen technischen Lösung komme als noch vor zehn Jahren. Nicht, weil WordPress plötzlich schlechter geworden ist. Sondern weil sich die Spielregeln verändert haben. Performance ist heute Teil der Markenwahrnehmung. Barrierefreiheit ist keine optionale Disziplin mehr. APIs sind längst zur Grundlage moderner Software geworden – nicht zuletzt, weil KI-Integrationen und automatisierte Prozesse in den kommenden Jahren eher zur Regel als zur Ausnahme werden. Genau deshalb reicht es für mich heute nicht mehr, nur zu fragen, ob WordPress etwas kann. Genau deshalb suche ich heute nicht mehr nach einer Möglichkeit, WordPress passend zu machen. Ich suche nach der Architektur, die am besten zum Projekt passt.

WordPress hat das Web geprägt – und das aus gutem Grund

WordPress wurde nicht zufällig zum erfolgreichsten Content-Management-System der Welt. Es war die richtige Antwort auf das Web seiner Zeit.

Die Anforderungen waren überschaubarer, Shared Hosting der Standard und viele Unternehmen wollten vor allem eines: endlich eine Website, die sie selbst pflegen konnten. WordPress traf diesen Moment nahezu perfekt. Offen, flexibel und auf fast jedem Server zu Hause. Zusammen mit einer beseelten Open-Source-Community entstand ein Ökosystem, das Millionen Websites Leben eingehaucht und das Web für immer verändert hat.

Die Nachteile von WordPress: Warum die Anforderungen das System überholen

Nach so vielen Jahren mit WordPress geht es für mich längst nicht mehr um die Frage, ob das System gut oder schlecht ist. Mich quält heute eine ganz andere Frage: Reicht die Idee, auf der WordPress entstanden ist, überhaupt noch für die digitale Realität, in der wir heute Unternehmen sichtbar machen?

Vor fünfzehn Jahren war eine Unternehmenswebsite oft der digitale Beweis dafür, dass es ein Unternehmen überhaupt gibt. Heute entscheidet sie im Bruchteil einer Sekunde darüber, wie eine Marke wahrgenommen wird, ob Vertrauen entsteht oder ein Besucher lautlos wieder verschwindet. Gleichzeitig verändert KI gerade die Suche, Nutzer erwarten Geschwindigkeit, ohne darüber nachzudenken, und Unternehmen möchten ihre Website längst nicht mehr als isoliertes System betreiben.

Und genau dort – an dieser Schnittstelle zwischen Nostalgie und kompromissloser Gegenwart – zeigen sich für mich die eigentlichen Nachteile von WordPress.

Nachteil 1: Moderne Websites verlangen heute deutlich mehr als ein klassisches CMS

Ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich eine Unternehmenswebsite betrachte und gar nicht mehr darüber nachdenke, mit welchem CMS sie gebaut wurde. Ehrlich gesagt interessiert mich das inzwischen kaum noch. Mich interessiert etwas anderes: Wie fühlt sie sich an? Reagiert sie sofort? Führt sie mich intuitiv? Hat sie diesen leisen Eindruck von Souveränität, den wirklich gute digitale Produkte ausstrahlen?

Vor einigen Jahren hätte ich diese Fragen wahrscheinlich noch für übertrieben gehalten. Eine Website sollte Informationen bereitstellen, ein Kontaktformular besitzen und sich ohne große Umwege pflegen lassen. Genau für diese Welt wurde WordPress gebaut – und genau deshalb war es so erfolgreich.

Heute ist eine Unternehmenswebsite selten nur noch eine Website. Sie ist Marketingplattform, Vertriebskanal, Karriereportal, Kundenservice und nicht selten der erste Kontakt mit einer Marke. Sie soll blitzschnell sein, auf jedem Gerät selbstverständlich funktionieren, Daten mit CRM-, ERP- oder Newsletter-Systemen austauschen, Inhalte für unterschiedliche Kanäle bereitstellen und sich zunehmend auch in KI-gestützte Prozesse integrieren. Das alles erwarten wir inzwischen fast beiläufig.

Und genau hier beginnt für mich der eigentliche Wandel. Nicht, weil WordPress plötzlich weniger könnte als früher. Sondern weil sich die Aufgabe der Website grundlegend verändert hat.

WordPress ist ein liebenswerter Monolith aus einer Epoche, in der Begriffe wie Core Web Vitals, API-first oder KI noch wie Science-Fiction klangen. Man spürt dieser Software ihr Geburtsjahr bis heute an. Viele dieser Anforderungen lassen sich zwar erfüllen – manchmal sogar erstaunlich gut. Doch sie gehören nicht zu ihrer ursprünglichen Idee.

Je weiter sich moderne Websites von einem klassischen Content-Management-System entfernen, desto spürbarer wird diese innere Reibung. Man baut nicht mehr mit dem System, sondern versucht immer häufiger, eine Architektur in eine Richtung zu bewegen, für die sie nie gedacht war.

Nachteil 2: Viele technische Entscheidungen werden später teuer

Ich habe in den letzten Jahren viele WordPress-Websites gesehen, die auf den ersten Blick völlig in Ordnung wirkten. Sie waren schnell genug, die Inhalte ließen sich pflegen und im Alltag schien alles zu funktionieren. Das Problem ist nur: Software zeigt ihre Schwächen selten am ersten Tag. Sie wartet geduldig.

Die eigentliche Frage lautet deshalb für mich nicht, ob eine Website heute funktioniert. Sondern wie teuer sie sich in drei oder fünf Jahren weiterentwickeln lässt.

Genau dort beginnt für mich eine der größten Schwächen von WordPress.

Das System trägt mehr als zwanzig Jahre Geschichte mit sich herum. Jede neue Version musste Rücksicht auf Millionen bestehender Websites nehmen. Alte Themes sollten weiter funktionieren. Plugins möglichst nicht kaputtgehen. Diese kompromisslose Abwärtskompatibilität hat WordPress groß gemacht. Gleichzeitig hat sie verhindert, dass das System sich jemals wirklich neu erfinden konnte.

Ich habe manchmal das Gefühl, WordPress läuft mit angezogener Handbremse. Nicht weil die Entwickler keine guten Ideen hätten. Sondern weil hinter jeder Entscheidung Millionen bestehender Installationen stehen, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen.

Das spürt man überall.

Bei jedem Seitenaufruf wird nicht einfach eine fertige Website ausgeliefert. WordPress setzt sie jedes Mal aufs Neue zusammen. Datenbank, Theme, Plugins und unzählige Erweiterungen greifen ineinander, bevor überhaupt HTML beim Besucher ankommt. Solange eine Website überschaubar bleibt, fällt das kaum auf. Mit jedem Plugin, jeder Integration und jeder Sonderfunktion steigt jedoch die Komplexität des gesamten Systems.

Und dann ist da Gutenberg.

Ich verstehe sehr gut, warum WordPress einen modernen Editor brauchte. Was ich bis heute nicht verstehe, ist die Entscheidung, Gestaltung und Redaktion so eng miteinander zu verknüpfen. In vielen Unternehmen investieren Designer und Entwickler viel Zeit, um einen konsistenten Markenauftritt zu schaffen. Mit Gutenberg reicht im Zweifel ein gut gemeinter Eingriff eines Redakteurs, um genau diese Gestaltung Stück für Stück zu verwässern. Für einen privaten Blog mag das Freiheit bedeuten. Für Unternehmen ist es oft das Gegenteil von Professionalität.

Gleichzeitig versucht Gutenberg, moderne Arbeitsweisen in eine Architektur einzupassen, die ursprünglich nie für solche Anforderungen entworfen wurde. Statt Inhalte konsequent strukturiert und medienneutral zu halten, werden Design-Codes direkt in den Fließtext gebacken – eine weitere schwerfällige Schicht auf einem System, das ohnehin schon schwer an seiner Geschichte trägt.

Genau so entstehen technische Schulden.

Nicht als spektakulärer Fehler. Sondern als schleichender Prozess. Jede neue Anforderung passt irgendwie noch hinein. Jede Integration funktioniert irgendwie noch. Jede Erweiterung ist irgendwie noch möglich. Bis aus einem System, das einmal angenehm einfach war, eine Architektur geworden ist, bei der jede Veränderung mehr Zeit, mehr Abstimmung und mehr Budget kostet als eigentlich nötig wäre.

Vielleicht ist das der eigentliche Preis von WordPress. Nicht der Launch. Sondern die Jahre danach.

Nachteil 3: Gute Performance ist möglich – aber sie entsteht nicht von allein

Ich muss manchmal schmunzeln, wenn Unternehmen stolz erzählen, ihre Website habe bei Google einen Performance-Score von 95 Punkten erreicht. Das klingt fast so, als hätte man Geschwindigkeit einmal gekauft und könnte sie anschließend in Ruhe altern lassen.

Genau so funktioniert das Web leider nicht.

Performance ist heute kein Bonus mehr. Sie ist Erwartung. Niemand lobt einen Aufzug dafür, dass er fährt. Er soll einfach da sein, wenn man den Knopf drückt. Mit Websites ist es längst genauso. Jede Verzögerung kostet Aufmerksamkeit. Manchmal Vertrauen. Und manchmal genau den Kunden, den man eigentlich schon fast gewonnen hatte.

Deshalb höre ich auch nur ungern den Satz: „Unsere Website ist schnell.“

Mich interessiert vielmehr, warum sie schnell ist.

Denn Geschwindigkeit entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis unzähliger technischer Entscheidungen. Ein intelligenter Cache, ein sauber konfiguriertes CDN, sinnvoll komprimierte Bilder, schlankes JavaScript, aufgeräumtes CSS, eine gepflegte Datenbank und ein Hosting, das mehr kann als nur billig sein. Jede einzelne dieser Entscheidungen trägt ihren kleinen Teil dazu bei. Keine davon ist spektakulär. Zusammen entscheiden sie jedoch darüber, ob sich eine Website hochwertig oder zäh anfühlt.

Genau hier beginnt mein persönliches Spannungsverhältnis mit WordPress.

WordPress ist nicht per se unbrauchbar langsam. Aber es ist von Natur aus schwerfällig. Bei jedem Seitenaufruf müssen Daten aus der Datenbank gelesen, Themes, Plugins und Erweiterungen zusammengeführt und die Seite erst aufgebaut werden, bevor sie überhaupt ausgeliefert werden kann. Das lässt sich hervorragend optimieren – aber eben nicht wegdiskutieren.

Ich habe beeindruckend schnelle WordPress-Websites gesehen. Aber ich habe auch gelernt, dass ihre Geschwindigkeit fast nie aus dem System selbst entsteht, sondern aus der Arbeit der Menschen, die es permanent optimieren.

Cache, CDN, Bildoptimierung, JavaScript entschlacken, CSS bereinigen, Datenbank aufräumen, Hosting optimieren. Ein fragiles Konstrukt. Ein einziges unbedachtes Plugin-Update reicht oft schon aus, um diese mühsam austarierte Mechanik wieder ins Stottern zu bringen. Was gestern noch schnell war, muss heute erneut analysiert, angepasst und getestet werden.

Ich ertappe mich manchmal bei dem Gedanken, dass WordPress ständig ein wenig gepflegt werden möchte. Fast wie ein wunderschöner Altbau. Solange man sich liebevoll kümmert, lebt es sich darin hervorragend. Vernachlässigt man ihn über Jahre, beginnt plötzlich alles gleichzeitig Aufmerksamkeit zu verlangen.

Vielleicht ist genau das der eigentliche Unterschied zu moderneren Architekturen. Dort wird Performance häufig als Teil der Architektur verstanden. Bei WordPress entsteht sie dagegen oft erst durch konsequente Optimierung und kontinuierliche Wartung.

Beides kann zu einer schnellen Website führen. Der Unterschied liegt nicht im Ergebnis. Sondern darin, wie viel laufendes Budget, Engineering und Aufmerksamkeit notwendig sind, damit die Website auch morgen noch so schnell ist wie heute.

Nachteil 4: Jedes Plugin löst ein Problem – und schafft eine neue Abhängigkeit

Es gibt nur wenige Ideen in WordPress, die ich nach all den Jahren noch genauso elegant finde wie am ersten Tag. Das Plugin-System gehört dazu.

Die Grundidee ist brillant. Der Kern bleibt schlank und jede Website bekommt nur die Funktionen, die sie wirklich braucht. Genau diese Offenheit hat WordPress groß gemacht.

Das Problem ist nicht der Wunsch nach Erweiterbarkeit. Das Problem ist, dass Erweiterungen in WordPress tief Teil des Systems werden. Sie greifen auf dieselben Daten zu, nutzen dieselben Schnittstellen und beeinflussen sich gegenseitig. Solange alles funktioniert, merkt man davon nichts. Erst mit den Jahren zeigt sich, wie viele Abhängigkeiten dabei entstanden sind.

Wer heute nach einem Plugin sucht, sucht selten nach einer kleinen, präzisen Lösung. Meist findet er einen Bauchladen. SEO, Performance, KI, Formulare, Tracking, Marketing, Analytics, Pop-ups und zwanzig weitere Funktionen, die eigentlich niemand bestellt hat. Was als einfache Erweiterung beginnt, entwickelt sich schnell zu einem eigenen Softwareprodukt – mit allem, was dazugehört.

Und genau dort beginnt für mich die eigentliche Rechnung.

Jedes Plugin bringt seinen eigenen Code mit. Eigene Updates. Eigene Sicherheitslücken. Eigene Lizenzmodelle. Eigene Entwicklerteams mit eigenen Prioritäten. Für sich genommen ist nichts davon problematisch. In der Summe entsteht jedoch eine Website, die mit jeder Erweiterung ein Stück abhängiger wird.

Ich bevorzuge deshalb heute oft den unspektakulären Weg. Eine kleine, passgenaue Erweiterung, die genau eine Aufgabe erfüllt, ist langfristig häufig die elegantere Lösung als ein universelles Plugin mit hunderten Funktionen. Nicht aus Prinzip und auch nicht, weil maßgeschneiderte Software immer besser wäre. Sondern weil digitale Eleganz fast immer dort entsteht, wo unnötige Komplexität bewusst vermieden wird.

Vielleicht liegt genau hier einer der größten Irrtümer rund um WordPress. Plugins wirken günstig. Ihre eigentlichen Kosten entstehen jedoch erst im Laufe der Jahre. Mit jedem Update. Mit jeder neuen Abhängigkeit. Mit jeder Stunde, die investiert werden muss, damit morgen noch zuverlässig funktioniert, was heute selbstverständlich erscheint.

Am Ende installiert man mit jedem Plugin nicht nur eine neue Funktion. Man macht die eigene Website ein kleines Stück abhängiger. Und Abhängigkeiten haben die unangenehme Eigenschaft, mit den Jahren selten günstiger zu werden.

Nachteil 5: Inhalte stecken im System fest, statt frei zu fließen

Vielleicht überrascht dich, dass ich an dieser Stelle nicht über Sicherheit schreibe. Ehrlich gesagt kann ich das aus meiner eigenen Praxis nur schwer begründen. In mehr als zehn Jahren und mehreren hundert WordPress-Projekten war WordPress selbst – vernünftig betrieben, mit regelmäßigen Backups, Updates und einem sauberen Hosting – nie unser größtes Sicherheitsproblem. Deshalb möchte ich lieber über den Nachteil sprechen, den ich im Alltag tatsächlich immer wieder sehe.

Ab hier wird es etwas technischer. Nicht um der Technik willen, sondern weil die eigentliche Schwäche von WordPress heute tief in seiner Architektur liegt.

WordPress entstand in einer Zeit, in der eine Website genau das war: eine Website. Man schrieb einen Beitrag, gestaltete eine Seite und veröffentlichte sie im Browser. Dafür war das System hervorragend geeignet.

Heute sieht die Welt anders aus.

Dieselbe Produktbeschreibung landet auf der Website, im Kundenportal, in einer App, im Newsletter, auf einem Messedisplay und wird vielleicht morgen noch von einem KI-Assistenten beantwortet. Unternehmen verwalten deshalb längst keine Webseiten mehr. Sie verwalten Informationen.

Genau hier beginnt für mich einer der größten Nachteile von WordPress.

Im Kern denkt WordPress Inhalte noch immer als fertige Webseiten. Inhalte und Darstellung wachsen eng zusammen. Was im Browser als schön gestaltete Seite erscheint, muss für andere Kanäle häufig erst wieder mühsam zerlegt, transformiert und aufbereitet werden. Der eigentliche Inhalt ist nicht verloren – aber er ist auch nicht frei.

Natürlich kann man WordPress heute als Headless CMS (INTERNER LINK) betreiben. Man kann APIs anbinden, Inhalte über Schnittstellen ausliefern und moderne Architekturen darum herum bauen. Aber an vielen Stellen merkt man, dass das System nie für diese Rolle gedacht war. Es fühlt sich ein wenig so an, als würde man einem Oldtimer einen Elektromotor einbauen. Das Ergebnis kann beeindruckend sein – trotzdem erkennt man noch immer, wofür das Fahrzeug ursprünglich konstruiert wurde.

Die eigentlichen Kosten entstehen deshalb selten beim ersten Projekt. Sie entstehen später. Immer dann, wenn neue Kanäle, neue Anwendungen oder neue Geschäftsmodelle hinzukommen. Plötzlich müssen Inhalte synchronisiert, Schnittstellen entwickelt oder Informationen mehrfach gepflegt werden. Aus einer kleinen technischen Aufgabe wird schleichend ein dauerhafter Kostenfaktor.

Früher reichte eine gute Website. Heute brauchen Unternehmen ein digitales Fundament, auf dem Inhalte frei zwischen Website, Apps, Kundenportalen und KI-Systemen fließen können. Genau dort zeigt sich, dass WordPress aus einer anderen Zeit stammt. Nicht, weil es schlecht geworden wäre. Sondern weil sich die Anforderungen an digitale Kommunikation grundlegend verändert haben.

Nachteil 6: Die versprochene Freiheit wird schnell zur neuen Abhängigkeit

Eines der stärksten Argumente für WordPress war schon immer seine Freiheit. Open Source. Keine Lizenzkosten. Kein Hersteller, der plötzlich die Preise erhöht oder das Produkt einstellt. Ich habe dieses Argument selbst oft genug verwendet – und grundsätzlich halte ich es bis heute für richtig.

Nur hat sich meine Vorstellung von digitaler Freiheit im Laufe der Jahre verändert.

Früher bedeutete Freiheit für mich, den Quellcode zu besitzen. Heute bedeutet sie, ein digitales Produkt schnell und ohne Reibungsverluste weiterentwickeln zu können. Das ist ein entscheidender Unterschied.

Denn die eigentliche Abhängigkeit entsteht heute selten durch WordPress selbst. Sie entsteht schleichend. Mit jedem Plugin. Mit jedem Theme. Mit jeder individuellen Erweiterung. Mit jeder kleinen Sonderlösung, die für sich genommen völlig vernünftig erschien.

Nach einigen Jahren besteht eine Website dann nicht mehr aus WordPress. Sie besteht aus WordPress, einem Page Builder, zwölf Plugins, drei individuellen Erweiterungen und einer Handvoll technischer Entscheidungen, an die sich heute niemand mehr so genau erinnert.

Nicht weil WordPress böswillig wäre. Sondern weil sich viele Projekte mit der Zeit in eine kleine archäologische Ausgrabungsstätte verwandeln. Entwickler ziehen weiter. Agenturen wechseln. Dokumentationen veralten. Zurück bleibt Quellcode, den man nur noch mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Vorsicht anfasst, weil niemand sicher sagen kann, welche Auswirkungen die nächste Änderung haben wird.

Genau dort wird aus technischer Komplexität plötzlich ein betriebswirtschaftliches Problem. Aus dem Wunsch nach einer neuen Landingpage werden zunächst Workshops, dann Analysen und schließlich Angebote, die niemand eingeplant hatte. Nicht weil die neue Funktion kompliziert wäre. Sondern weil zuerst verstanden werden muss, worauf sie überhaupt aufsetzt. Jede Veränderung beginnt mit einer kleinen archäologischen Expedition.

Genau darin liegt für mich die eigentliche Ironie. Das System, das maximale Freiheit verspricht, kann mit den Jahren selbst zu einer Form der Abhängigkeit werden.

Deshalb messe ich digitale Freiheit heute nicht mehr an der Lizenz. Ich messe sie daran, wie leicht sich ein Unternehmen verändern kann. Wie schnell neue Ideen umgesetzt werden. Wie einfach ein Dienstleister wechseln kann. Und wie verständlich eine Lösung auch noch für den nächsten Entwickler ist, der sie zum ersten Mal sieht.

Die schönste Open-Source-Lizenz nützt wenig, wenn jede Veränderung zur Kostenfrage wird. Beweglichkeit schlägt Dogmatismus. Immer.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Währung moderner Software. Nicht der Besitz des Quellcodes. Sondern die Freiheit, das eigene Unternehmen weiterzuentwickeln, ohne dass die Technologie jedes Mal zuerst um Erlaubnis gefragt werden muss.

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Weitere Kritikpunkte, die du kennen solltest

Ich hätte diesem Artikel problemlos noch einige weitere Kapitel hinzufügen können. Nicht, weil mir die Themen ausgegangen wären, sondern weil WordPress seit Jahren Gegenstand unzähliger technischer Diskussionen ist. Einige davon sind absolut berechtigt. Andere werden mit erstaunlicher Leidenschaft geführt. Und über manche wird vermutlich noch gestritten, wenn wir alle längst auf der nächsten Technologie angekommen sind.

Dazu gehört zum Beispiel PHP. Die Sprache hat in der Entwicklerwelt bis heute einen schwierigen Ruf – unabhängig davon, wie man ihre technische Entwicklung in den vergangenen Jahren bewertet. Allein diese Wahrnehmung entscheidet heute im Recruiting darüber, welche Talente überhaupt noch Lust auf ein Projekt haben – und wie teuer es wird, qualifizierte Entwickler an ein System zu binden.

Ähnliches gilt für die historisch gewachsene Datenbankstruktur von WordPress, für Page Builder wie Elementor oder Divi, für das bekannte Update-Roulette oder für das vergleichsweise einfache Rollen- und Rechtesystem. Über jedes dieser Themen ließe sich ausführlich diskutieren. Und genau das passiert seit Jahren – in Blogs, Foren, auf Konferenzen und in Entwicklerteams.

Ich möchte diese Kritikpunkte deshalb weder kleinreden noch abschließend bewerten. Dafür wäre der Rahmen dieses Essays schlicht zu klein. Viele dieser Themen verdienen einen eigenen Artikel, manche sogar mehrere.

Mich interessiert hier weniger das Ausbreiten alter Debatten als der Blick auf das Fundament. Nicht weil Page Builder, Datenbankstrukturen oder das Update-Roulette harmlos wären – ganz im Gegenteil. Sondern weil ich mich in diesem Essay bewusst auf die strategischen Weichenstellungen konzentrieren wollte, die viele dieser Diskussionen überhaupt erst entstehen lassen. Deshalb standen sie im Mittelpunkt dieses Essays.

Wann wir heute trotzdem ganz bewusst WordPress empfehlen

Es ist fast schon ironisch: Wer heute nach der besten Technologie für eine Unternehmenswebsite sucht – ganz gleich ob bei einer KI oder einer klassischen Webagentur –, landet erstaunlich oft wieder bei WordPress. Das überrascht kaum. Ein großer Teil der Branche beherrscht bis heute kaum etwas anderes.

Genau dort beginnt für mich die eigentliche Diskussion.

Über viele Jahre lautete die erste Frage fast automatisch: Welches CMS setzen wir ein? Heute interessiert mich etwas ganz anderes. Braucht dieses Unternehmen überhaupt ein Content-Management-System?

Erstaunlich oft lautet die Antwort: Nein.

Das überrascht viele Kunden. Sie glauben zunächst, sie müssten Inhalte verwalten, obwohl sie in Wirklichkeit vor allem Informationen veröffentlichen möchten. Das ist ein kleiner sprachlicher Unterschied mit erstaunlich großen wirtschaftlichen Folgen. Eine Unternehmenswebsite mit Leistungen, Ansprechpartnern, Referenzen oder Karriereinformationen ist noch lange kein Content-Management-Projekt.

Das Web hat sich in den vergangenen Jahren leise neu erfunden. Moderne Frontend-Frameworks ermöglichen heute Websites, die viele Unternehmen früher zwangsläufig mit einem klassischen CMS umgesetzt hätten. Nicht weil sie spektakulärer aussehen. Sondern weil sie einfacher geworden sind. Weniger Betrieb. Weniger Wartung. Weniger technische Altlasten. Ich freue mich über solche Entwicklungen. Gute Architektur versucht nicht, möglichst viel Technologie unterzubringen. Sie versucht, möglichst wenig zu brauchen.

Braucht ein Unternehmen dagegen tatsächlich ein CMS, stelle ich heute sofort die nächste Frage.

Soll die Website vor allem Informationen verwalten – oder soll sie selbst Teil des Markenerlebnisses werden? Soll sie sich so unmittelbar, flüssig und hochwertig anfühlen wie eine moderne Anwendung? Dann würde ich heute kaum noch auf ein klassisches CMS als Gesamtsystem setzen. Moderne Frontend-Frameworks mit einem Headless-CMS spielen genau dort ihre größte Stärke aus.

Und genau dort zeigt sich eine Stärke, die WordPress bis heute kaum verloren hat.

Nicht, weil es die modernste Lösung wäre. Sondern weil es die wirtschaftlichste sein kann.

Wenn Marketing und Redaktion eigenständig arbeiten möchten, ohne jede Änderung über Entwickler oder Agenturen spielen zu müssen, ist WordPress bis heute kaum zu schlagen. Das System ist über zwei Jahrzehnte genau für diese Aufgabe gereift. Dazu kommt ein Plugin-Ökosystem, das trotz aller berechtigten Kritik unzählige Standardanforderungen bereits löst. Ich halte wenig davon, funktionierende Standards aus Prinzip neu zu entwickeln. Individualität ist dort wertvoll, wo sie Wettbewerbsvorteile schafft – nicht dort, wo sie lediglich Rechnungen verlängert.

Vielleicht ist genau das die größte Veränderung meiner eigenen Sicht auf WordPress. Früher war es für mich oft der Ausgangspunkt einer Website. Heute ist es das Ergebnis einer Architekturentscheidung. Und gerade deshalb empfehle ich es heute bewusster als jemals zuvor.

Wann wir stattdessen auf Headless setzen

Ich habe vor einigen Jahren aufgehört, Software zu Aufgaben zu überreden, für die sie nie gebaut wurde. Das endet selten elegant. Irgendwann beginnt jedes System, sich gegen seine eigene Architektur zu wehren – und die Rechnung dafür landet fast immer beim Unternehmen.

Genau das beobachten wir heute immer häufiger. Aus einer Unternehmenswebsite wird plötzlich ein digitales Ökosystem. Schnittstellen zu CRM- oder PIM-Systemen kommen hinzu, Kundenportale entstehen, Inhalte erscheinen gleichzeitig in mehreren Ländern oder auf unterschiedlichen Frontends. Je größer ein Unternehmen wird, desto seltener verhält sich seine Website noch wie eine klassische Website.

Inhalte haben sich längst von der Website emanzipiert. Anwendungen und digitale Prozesse erst recht. Sie möchten nicht mehr ausschließlich auf einer Website erscheinen. Sie landen gleichzeitig in Kundenportalen, Apps, internen Systemen oder auf mehreren internationalen Plattformen.

Eine Architektur, die Inhalte und Darstellung konsequent voneinander trennt, fühlt sich dort erstaunlich selbstverständlich an. Frameworks wie Next.js erlauben uns, digitale Erlebnisse zu entwickeln, die schnell, flüssig und hochgradig individuell sind, ohne dass das CMS gleichzeitig für Darstellung, Performance und Geschäftslogik verantwortlich sein muss. Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Die Plattform bleibt beweglich. Neue Märkte, zusätzliche Frontends oder individuelle Anwendungen werden nicht automatisch zu einem kostspieligen Umbau der gesamten Architektur.

Beim CMS landen wir in solchen Projekten heute häufig bei Strapi. Nicht, weil wir einem Trend folgen möchten. Sondern weil sich unsere Kriterien verändert haben.

Gerade in Europa beobachte ich einen bemerkenswerten Wandel. Immer mehr Unternehmen möchten ihre Inhalte bewusst in der eigenen Infrastruktur betreiben. Kein US-SaaS, keine proprietäre Cloud und möglichst keine neuen Abhängigkeiten, die in einigen Jahren zum Geschäftsrisiko werden. Digitale Souveränität ist längst kein politisches Schlagwort mehr. Sie ist zu einer ganz praktischen Anforderung an moderne Unternehmensarchitekturen geworden.

Deshalb schaue ich mir neue Systeme mit ehrlicher Neugier an. Es gibt Systeme, die technisch ausgesprochen spannend sind. Andere gefallen mir architektonisch sogar besser, verlieren sich aber ausgerechnet dort, wo Unternehmen Klarheit brauchen. Directus ist für mich so ein Beispiel: technisch beeindruckend, beim Lizenzmodell jedoch unnötig kompliziert. Wieder andere versprechen maximale Freiheit und schaffen gleichzeitig neue Abhängigkeiten von einem Cloud-Anbieter. Ich finde das faszinierend. Der Markt ist erstaunlich gut darin, fast alles richtig zu machen. Nur selten alles gleichzeitig.

Deshalb landen wir heute erstaunlich häufig bei Strapi. Nicht weil es perfekt wäre. Perfekte Software ist mir in all den Jahren ohnehin noch nicht begegnet. Sondern weil es für viele unserer Kunden genau den Kompromiss trifft, den sie heute suchen: eine moderne Headless-Architektur, vollständiger On-Premises-Betrieb, eine nachvollziehbare Open-Source-Lizenz und die Freiheit, die eigene Plattform langfristig selbst zu kontrollieren.

Vielleicht ist genau das die größte Veränderung meiner eigenen Sicht auf Webarchitektur. Heute suche ich nicht mehr nach dem leistungsfähigsten CMS. Ich suche nach einer Architektur, die einem Unternehmen auch in fünf Jahren noch möglichst viele Entscheidungen offenlässt.

Fazit

WordPress hat das Web über fünfzehn Jahre lang geprägt, getragen und – machen wir uns nichts vor – an manchen Stellen auch erstaunlich bequem gemacht. Für eine ganze Branche war es der sichere Reflex. Man griff zu WordPress, weil es funktionierte, weil es wirtschaftlich war und weil man mit dem Weg der Mehrheit nur selten unangenehm auffällt. Bequemlichkeit war in der Webbranche schon immer ein erstaunlich überzeugendes Argument.

Und genau dieser Reflex funktioniert heute nicht mehr.

Nicht weil WordPress schlechter geworden wäre. Sondern weil die Fragen besser geworden sind. Heute kauft kaum ein Unternehmen noch einfach nur eine Website. Sie erwarten digitale Plattformen, die sich selbstverständlich in ihre Prozesse einfügen, mit ihrem Unternehmen mitwachsen und auch dann noch funktionieren, wenn morgen eine neue Idee, ein neuer Markt oder ein neuer Geschäftsbereich hinzukommt. Genau in diesem Moment wird Architektur wichtiger als Gewohnheit.

Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis dieses Essays. Ich misstraue Software, die behauptet, jedes Problem lösen zu können. Sondern daran, dass sie die richtigen Probleme löst. Ich habe irgendwann aufgehört, jeder Technologie alles abzuverlangen. Ich mag Software, die ihre Aufgabe kennt. Und ich misstraue Lösungen, die behaupten, für alles die richtige Antwort zu sein. Meistens sind sie nur die bequemste.

Deshalb empfehle ich WordPress heute weder aus Gewohnheit noch lehne ich es aus Prinzip ab. Für viele Unternehmenswebsites ist es nach wie vor eine hervorragende Entscheidung. Für andere wäre es die falsche. Beides gleichzeitig für wahr halten zu können, empfinde ich heute als deutlich wertvoller als jede technologische Überzeugung.

Vielleicht besteht der größte Luxus moderner Webarchitektur ohnehin nicht darin, immer die neueste Technologie einzusetzen. Sondern darin, frei genug zu sein, jede Entscheidung immer wieder neu zu treffen. Auch dann, wenn das bedeutet, sich von den eigenen Gewohnheiten zu verabschieden.